Film, Psychoanalyse und das «innere Ausland» des Unbewussten

 

Der Psychoanalytiker muss auf das hören, was zwischen den Zeilen gesagt wird. Sein Augenmerk gilt dem, was sich dem Bewusstsein entzieht: dem Unbewussten. Darum kann man über die Psychoanalyse gerade von jenen Filmen am besten etwas lernen, die nicht alles zeigen, sondern mit Bedacht das Wesentlichste aussparen. Das tun Filme etwa, wenn sie die Handlung nicht ins Zentrum ihrer Bilder stellen, sondern am Bildrand oder sogar ausserhalb des Bildes (im sogenannten Off) spielen lassen. Doch gerade in dem, was der Film nicht, beziehungsweise nur als Grenze seiner Bilder zeigt, gelingt es ihm, die sperrige Wahrheit der Psychoanalyse wahrnehmbar zu machen. Jenes «innere Ausland» des Unbewussten, wie Sigmund Freud es in der «Neuen Vorlesung zur Einführung in die Psychoanalyse» nannte und von der die Wissenschaft meist nichts wissen mag, weil es sich nicht in ihre Denkraster fügt, korreliert so mit den Randzonen des Filmbilds. Ein Filmemacher, bei dem sich das besonders schön zeigen lässt, ist Michelangelo Antonioni. Doch es gibt auch überraschende Vorläufer wie Douglas Sirk und eigenwillige Nachfolger wie Andrei Tarkowski, Dario Argento oder Michael Mann, die auf ihre je eigene Art dieses «innere Ausland» ebenfalls erforscht haben. Anhand von diversen Film-Ausschnitten werden wir untersuchen, wie viel von der Psyche gezeigt werden kann, gerade dann, wenn man wenig zeigt. Zu hoffen ist schliesslich, dass der Psychiater durch solche Filme sensibilisiert wird für andere «bildgebende Verfahren», andere Formen des «Imaging» als jene, die er aus den Neurowissenschaften bestens kennt und anwendet.

 

 

14:00 bis 17:30  Hörsaal Z1 03

Psychiatrische Universitätsklinik (Burghölzli), Lenggstr. 31, 8008 Zürich

 

(Bild: Standbild aus «There‘s Always Tomorrow» (USA 1956) von Douglas Sirk)

16.12.2009, Psychiatrische Universitätsklinik Zürich

 
 

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