Film & Psychoanalyse I: Traum
Film & Psychoanalyse I: Traum
... Während das Ende von «Psycho» deklariert, Normans Wahn zu erklären - und das heisst eben auch, Norman zum Wahnsinnigen zu erklären - geht der Akt dieses Erklärens andere Wege. Was der Film tatsächlich, in seiner Technik macht, widerspricht gerade jener sauberen Trennung von Wahn und Normalität. Indem der Wahn nicht auf der Ebene der Aussage verbleibt, sondern den Akt des Aussagens selbst ergreift, löst sich auch die bequeme Trennung zwischen der kranken Figur und dem gesunden Zuschauer auf. Der Film, der die beiden miteinander vermittelt, überträgt den Wahn - nicht als Inhalt sondern Struktur - auf beide. Genau dies aber, die Problematisierung jeder Scheidung von Normalität und Pathologie ist das, was man recht oberflächlich aber doch zu Recht als wichtigste Lektion Freuds bezeichnen könnte. Darum lässt sich sagen, dass wir unweigerlich psycho-analysieren, wenn wir «Psycho» analysieren.
(Bild: Standbild aus «Psycho» (USA 1960) von Alfred Hitchcock.)
Sommersemester 2005