Design for Living
Der Begriff der Freundschaft bei Michel Foucault
 
Den vollständigen Text gibt es hier: DesignForLiving.pdf
 
... «Freundschaft» ist mithin auch Foucaults Name für eine Beziehungs-Form, deren Gestalt noch nicht gegeben ist, die «ausserhalb von allen institutionellen oder familiären Bindungen» besteht und für die weder «Gesetz, Regel, noch Gewohnheit» vorliegen.
Wollte man nach einer adäquaten Illustration dieser eigentümlich weitreichenden Vorstellung von Freund-schaft suchen, so wird man wohl am ehesten bei den frivolen Komödien von Ernst Lubitsch fündig. Wahr-scheinlich ist sein Film Design for Living von 1933 nicht nur wegen des Titels der idealste, um diese «Lebensweise» der Freundschaft zu charakterisieren: Erzählt wird von einer buchstäblichen ménage à trois zwischen dem Schriftsteller Tom, dem Maler George und der Werbefrau Gilda, die gemeinsam in einer Dach-wohnung hausen. Natürlich schliessen die drei ein «Gentleman’s Agreement», wonach es keinen Sex zwischen den Beteiligten geben darf. Ebenso natürlich kommt es anders. Trotzdem gehört dem Sex, den die drei ebenso hartnäckig auszuklammern versuchen, wie er unablässig wiederkehrt, nicht das letzte Wort. Am Ende bleibt man allen Turbulenzen und moralischen Vorgaben zum Trotz im Dreieck zusammen. Wohl wissend, dass der Sex sich aus diesem Haushalt nicht aussperren lässt, dass dieser Sex aber auch gar nicht
den entscheidenden Prüfstein ihrer Freundschaft darstellt. ...
 
(Bild: Filmstill aus «Design for Living» (USA 1933) von Ernst Lubitsch)
erschienen in: Denkbilder 16 (März 2004)