Höhle und Gang
Vom unheimlichen Raum des Films
 
(Den vollständigen Text gibt es hier: HoehleGang.pdf)

... Spricht der Filmwissenschaftler von Kino, dann meint er nur selten das gleichnamige Gebäude, sondern meistens das, was in ihm drin geschieht: Kino als Name für ein Medium und nicht für dessen Ort. In diesem Sprachgebrauch drückt sich die verbreitete Auffassung aus, dass Kinoarchitektur kein eigentlicher Gegenstand der Filmwissenschaft sei. Der Raum, in welchem Filme vorgeführt werden, wird vielmehr als auswechselbarer Rahmen verkannt, als eine Begleiterscheinung, die allenfalls den Soziologen, nicht aber den Cineasten zu interessieren hat. 
Tatsächlich aber ist Film seit seinen Ursprüngen im Varieté und Wanderzirkus von den Umständen seiner Aufführung nicht zu trennen und in den Augenzeugenberichten der ersten Filmprojektionen vermischt sich die Beschreibung des bewegten Bildes gerne mit Beschreibungen des Vorführraums. So wie das Filmbild auf der Leinwand seine Sichtbarkeit erst der Dunkelheit im Zuschauerraum verdankt, so formt die Architektur des Kinos das mit, was darin als Film vorgeführt wird. Raum und Bild treten in Dialog - der eine akzentuiert die Stimmungen des andern. Die Architektur des Vorführraums zu bedenken, erweist sich somit als wesentlich, will man die Eindrücke des Mediums Films untersuchen...AF01A333-35A6-4ABA-95E6-4FAB38A9F522_files/HoehleGang.pdfshapeimage_1_link_0
erschienen in:
«Im Untergrund / Below Ground Level», hrsg. von Sylvia Rüttimann und Monika Hardmeier. Verlag für moderne Kunst Nürnberg 2007.
ISBN 978-3-93978-54-1    amazon.de